Im 11. und 12. Jahrhundert verändert sich die Haltung der Kirche
zur Zauberei. Die Menschen sollten jetzt gerade an Zauberei und den Teufel
glauben. Aus Angst vor dämonischen und magischen Kräften sollte sie sich verstärkt dem
Glauben an den christlichen Gott zuwenden. Man schürte die Angst vor den
"Mächten der Finsternis", damit die zunehmend zweiflerischen
Christen wieder mehr der Geistlichkeit gehorchen.
Allen Befürwortern dieser Theorie ist gemeinsam, dass die Kirche nach Belegen
für die Existenz eines organisierten Hexenkultes suchten und
suchen.
Besondere Schwierigkeiten bieten dabei die Geständnisse der Hexen, die
in den noch vorhandenen Gerichtsprotokollen aufgezeichnet sind. Diese
wenigen direkten Berichte über die verfolgten Hexen sind natürlich von
den Gedanken ihrer Mörder geprägt.
Haben die Angeklagten unter der Folter gestanden, was die Inquisitoren
von ihnen hören wollten? Dann wären die "Geständnisse"
nur ein Ergebnis der Einflüsterungen ihrer Folterer.
Hatten bestimmte Angeklagte tatsächlich Erfahrungen mit Zaubermitteln.
z.B. mit der Hexensalbe, welche ihnen Flugerlebnisse und orgiastische
Träume brachte? Dann enthielten die Folterprotokolle zwar entstellte aber
doch "echte" Berichte über das "Hexentreiben".
So ist z.B. bekannt, dass es noch im 6. Jahrhundert unserer Zeitrechnung
im Raum Trier ein Standbild der Diana gegeben hat, welches von der noch
nicht völlig christianisierten Bevölkerung verehrt wurde. Erst auf
Betreiben eines christlichen Einsiedlers wurde es zerstört.
Interessant ist
dabei auch , dass man in manchen mittelalterlichen Quellen Frauen, die von
Flugerlebnissen berichteten, als "societas dianae", also als
"Dianas Begleiterinnen" bezeichnete.
Als Diana Hekate war sie
die Göttin der Nacht, des Schicksals und des Totenreiches, Hüterin
des Dreiweges, Mondgöttin, Schutzherrin der Zauberinnen und Hexen.
Ihr Haupttier ist der Hund.
War der Glaube an Zauberei und Magie heidnisch?
Wichtig für unsere Fragen ist auch der sogenannte "Canon episcopi"
aus dem 10. Jahrhundert, der die offizielle Haltung der Kirche zu
heidnischen Bräuchen bis ins 11. und 12. Jahrhundert bestimmte. Nach dem
"Canon" war der Glaube an Zauberei heidnisch und die Ausübung der
Zauberei etwas Ketzerisches. Erwähnt ist dort auch die
"Nachtfahrt" der Frauen mit Diana (im Deutschen mit der Göttin
Perchta gleichgesetzt).
Die Behauptung, man habe an dieser Nachtfahrt teilgenommen, wurde von den
Autoren des Canon als Ergebnis der Vorspiegelungen von Dämonen verstanden
und als Ketzerei strafrechtlich verfolgt. Die Glaubensvorstellungen der nur
äußerlich christianisierten Völker wurden damals von der Kirche so heftig
bekämpft, weil sie sich eine Machtstellung neben den teilweise noch recht
heidnischen Franken aufbauen wollte.
Als letztes möchten wir einen Fall aus Italien aufführen. Der
Volkskundler Carlo Ginzburg hat dort vor einigen Jahren festgestellt, dass
es in Friaul im Norden des Landes, im Mittelalter noch einen
"heidnischen" Fruchtbarkeitskult gegeben hat. Sinn dieses Kultes
war die Unterstützung des Kampfes der "benandanti" (wörtlich
"Gut-Tuer", weise Männer und Frauen) gegen die bösen "streghe"
(Hexen). Sie kämpften um das Gelingen der nächsten Ernte. Als nun die
Inquisitoren davon hörten, begannen sie mit der Suche nah
"Hexen". Unter der Folter und beeinflusst durch die Fragen der
Inquisitoren nach de "Hexensabbat" usw. brachen die "benandanti"
zusammen und bezichtigten sich selbst als "Hexen", welche sie doch
eigentlich selbst symbolisch in ihrem Kult bekämpft hatte.
Besonders aus dem letzten Beispiel ergibt sich, dass durch die Folter
jede und jeder dazu gebracht werden konnte, selbst die unsinnigsten
Vorwürfe zuzugeben. Ursprüngliche Fruchtbarkeitskulte wie die benandanti
oder Gruppen von "Nachtfahrenden" werden von der Inquisition zu Anhängern
des "Bösen" gestempelt.
Damit ist nicht bewiesen, dass alle als "Hexen" verfolgten
Menschen Angehörige solcher Kulte gewesen sind. Es reichte viel geringere
Gründe aus, Frauen, Männer und auch Kinder auf de Scheiterhaufen zu
bringen: Beschuldigung durch eine Nachbarn o.ä., rote Haare, körperliche
Missbildungen oder die Ausübung des Hebammenberufs.
Die These, dass alle verbrannten Opfer der Hexenjagd Anhänger eines
"Hexenkultes" waren, ist einseitig und übertrieben. Die passiven
und unwissenden Opfer verdienen jedoch dasselbe Interesse und Mitgefühl wie
die bis heute geheimnisvollen Anhänger vorchristlicher Kulte.
Magie und Zauberei fasziniert die Menschen
Ob magische Rituale, Zaubersprüche, schwarze oder weiße Magie, das Geheimnisvolle und Unerklärliche faszinierte schon immer die Menschen.
Der Glaube an magische Kräfte, Liebeszauber, aber auch Schadenszauber wurden
über die Jahrhunderte hinweg von Generation zu Generation bis in die
heutige Zeit überliefert.