|
Die alte Mondzeit lebt in vielen Geschichten, in Gebräuchen,
im Aberglauben und in der Medizin weiter. Der weibliche 28 Tage
Zyklus stimmt mit dem Mondzyklus überein und in früheren
Kulturen menstruierten die Frauen bei Neumond oder bei Vollmond.
Auf Grund dieser Tatsache hat die neue Frauenbewegung eine
Methode der Empfängnisverhütung entwickelt, die Lunaception,
bei der die Mondphasen durch künstliches Licht im Schlafraum
nachgeahmt werden. Der Zyklus gleicht sich im Laufe der Zeit
einem regelmäßigen 28 Tage Rhythmus an, so dass die
empfänglichen Tage genau zu bestimmen sind. Auch Geburten
ereignen sich häufiger bei Vollmond und die Schwangerschaft
wird heute noch in Mondmonaten berechnet.
Kräutersammler haben bestimmte Regeln, nach denen manche
Pflanzen bei zunehmendem oder abnehmendem, manche bei Vollmond
gepflückt werden müssen. Hexenrezepte schreiben Kuren vor, die
bei Vollmond durchgeführt werden müssen. Warzen unterliegen
der umgekehrten Sympathie, sie verschwinden am besten, wenn der
Mond zunimmt. Der Hexensabbat soll auch an bestimmten Tagen
gefeiert worden sein, die mit dem Mond in Zusammenhang stehen.
Darüber weiß man jedoch nichts genaues. Auffällig ist nur,
dass auf vielen Sabbatdarstellungen der Sichelmond erscheint.
die Weide, im druidischen Baumkalender der Mond- und Hexenbaum,
bei den Griechen der Baum der Hekate, wird auf einem Sabbatbild
des 15. Jh. umtanzt. In England bestand de Hexenbesen aus
Weidenzweigen. Dei Kröte und die Schlange, in der Mythologie
alte Mondtiere, sind auch beim Sabbat anwesend. Hexen
verwandelten sich oft in Tiere, darunter auch Hasen: der Hase
ist ein Fruchtbarkeitssymbol und ebenso dem Mond zugeordnet. Der
Ritt auf dem Besen ist bei Mondschein zu unternehmen.
Eine andere Verbindung ist die mit den nordischen Schicksalsgöttinnen,
den drei Nornen, welche den Schicksalsfaden spinnen. Da die
Christen die heidnischen Gottheiten verteufelt und die Hexen als
deren Anhängerinnen verfolgt haben, kann man annehmen, dass in
diese Hexendarstellung Überreste des germanischen Glaubens
eingeflossen sind.
Warum werden die Hexen so oft mit einem Spinnrocken in der
Hand gezeigt? Dazu lassen sich mehrer Fäden spinnen. Der
deutsche Volkskundler W.E. Peuckert bringt die Hexen in
Zusammenhang mit den deutschen Weibsdämonen, die Percht und
Holda, welchen das Spinnen, der Flachs und die kleinen toten
Kinder unterstellt waren, und die im Volksglauben mit einem
Weiberschwarme durch die Nächte flogen. Die Spinnstuben waren
Stätten regelrechter Weiberbünde, die im Dienste der Perchta
standen und zu denen Männer keinen Zutritt hatten. Erst im
Spätmittelalter tragen auch Männer dem Perchtenkult bei. Zu
dier Zeit (und auch schon früher) wird solches Treiben jedoch
als Aberglauben verurteilt und mit "Hexenwesen"
in Verbindung gebracht, wie die auf unseren Seiten zitierten
Quellen zeigen, siehe Der
Kult der Hexen.
Der berüchtigte französische Hexenjäger Jean Bodin, dessen
Buch "La Demonomanie des Sorcieres" kurz nach seinem
Erscheine 1591 von Johann Fischart übersetzt wurde, fragt sich,
warum die Deutschen ihren Mond "männisch" nennen:
"Die Alten aber nannten deshalb diese Himmelslunten so
männisch, dieweil sie sich beredt hatten, kein Nation wer
seiner Weiber Meister, als die das Mondlicht mit männischem
Namen nennen."
|