Aus der Erfahrung der Albigenser Kreuzzüge heraus sah die Kirche die Notwendigkeit, eine Einrichtung zu schaffen , die die Ketzerverfolgung zügiger, zielgerichteter und vor allem einheitlicher vornehmen würde.
So entstand die "Heilige Inquisition" (von lat. inquire,
aufsuchen, nachstöbern, Beweise zur Anklage sammeln), die den Mönchen vom Dominikaner Orden übertragen wurde.
Diese reisten nun in Sachen Glauben in Europa umher und forschten wo sie hinkamen nach
"Ketzern", wie man die Häretiker jetzt nannte. Der Begriff leitet sich ab von den
Katharern, einer Sekte, die eine große Bedrohung für die Kirche im Spätmittelalter darstellte.
Kamen nun die Inquisitoren an einen Ort, so forderten sie per Erlass zur Denunziation von Mitbürgern auf.
Es sollte angegeben werden, ob diese irgendetwas gegen den Glauben oder gegen Gott gesagt oder getan hätten oder etwa einer ketzerischen Sekte angehörten.
Und meistens ging die Rechnung auf: Menschen wurden auf bloße Gerüchte hin verhaftet, selbst auf Grund von Aussagen von Kindern, Bettlern oder selbst Angeklagten, denen sonst jede Zeugenaussage verweigert wurde.
Beim Prozess selber war kein Verteidiger zugelassen. Wer dennoch einen Widerspruch wagte, wäre selbst als Sympathisant der Ketzerei hingerichtet worden.
Häresie (Anton Eisenhut,
Ende 16. Jh.)
Folter im Mittelalter - Christen mit Zivilcourage?
Nur ein reuiger Ketzer konnte wieder in den "Schoß der
Kirche" zurückkehren und durch "Abschwörung"
unter Umständen sein Leben retten. Aber viele gläubige Christen ließen sich für ihren Glauben an Gott ins Feuer werfen.
Manche Ketzerprozesse wurden nicht aus religiösem Fanatismus geführt: denn das Hab und Gut
der Verurteilten fiel der Inquisition für weitere Prozesse zu. Durch die Anwendung der Folter in einem solchen Prozess konnte jede/r zum Ketzer abgestempelt werden. Und schon bald wendete sich dieses Machtmittel auch gegen politische Gegner, so z.B. gegen Jeanne
d´Arc, die als Ketzerin auf Betreiben der englischen Besatzungsmacht hingerichtet worden war, um so die Moral und den Widerstandswillen der Franzosen zu brechen.
Vor dem Autodafé:
Zug der Inquisitoren mit den Ketzern zur Messe, Picart 1723
Um von diesen Prozessen gegen christliche Zweifler zu den Hexenprozessen zu gelangen, musste erst die Verbindung von Ketzerei und Zauberei hergestellt werden. Diese hatte bis dahin als Überrest vorchristlicher Vorstellungen gegolten. Im 13. Jh. traf dann der Vorwurf der Zauberei und des Teufelspaktes bei Prozessen mehr und mehr in den Vordergrund. Ketzern wurden magische Praktiken unterstellt und Zauberer als Ketzer verbrannt.
Im Laufe des 13. und 14. Jh. entwickelten sich in verschiedenen Ketzerprozessen alle die Punkte, die später in den Prozessen gegen angebliche Hexen als ein zusammenhängendes Bündel von Vorwürfen auftauchen.
Der Teufelspakt wird zum ersten Mal als Vorwurf urkundlich erwähnt in dem Prozess gegen die friesischen Bauern der
Landschaft Stedingen im Jahre 1234.
Die Teufelsbuhlschaft taucht zum ersten Mal in einer Quelle auf, beim Prozess gegen den Orden der Tempelritter (1309).
Das Fest auf dem Sabbat und die dahinführende Luftfahrt erscheint 1335 in einem Toulouser Ketzerprozess.
Der Reigen, der auf dem Sabbat getanzt wird, ist im Prozess von Toulouse von 1353 ein Vorwurf gegen die angeklagten Personen.
War ein solcher Vorwurf irgendwo in einem Prozess aufgetaucht und ein Angeklagter hatte ihn unter der Folter
"bestätigt", so war damit die "Wahrheit" desselben erwiesen. Das bedeutete aber, dass nun in den folgenden Prozessen die Menschen danach befragt werden durften, d.h.. sie wurden gefoltert, und zwar solange bis auch sie den Vorwurf bejahten. Und damit war dieser ein fester Bestandteil aller folgenden Anklagen geworden.
Ein wichtiges Verbindungsglied zu den eigentlichen Hexenprozessen des 16. und 17.
Jh. stellt ein päpstliches Schreiben ("Bulle" genannt) aus dem Jahre 1484 dar.
Papst Innozenz (von lat. innocentia, die Unschuld) VI I I hatte sie auf Wunsch des Dominikanermönches und Inquisitors Heinrich Institoris verfassen lassen.
Diese Stellungnahme, die durch den gerade erfundenen Buchdruck eine enorme
Verbreitung fand, sollte in Deutschland mit päpstlicher Autorität jeden Widerstand und Zweifel an der Rechtmäßigkeit inquisitorischer Prozesse und Hinrichtungen im Keim ersticken.
Verschiedene Bischöfe
hatten sich nämlich die Einmischung der zugereisten Mönche in ihre eigene inquisitorische Praxis verbeten. Andere hingegen, sahen gar keine Notwendigkeit, so dringend nach Ketzern zu forschen.
Die "Bulle" ist sehr offen für Auslegungen jeder Art. Die neue Ketzersekte wurde nur sehr oberflächlich beschrieben und ihr
"Verbrechen" nur angedeutet, so dass auch hier Raum für Interpretationen blieb.
Die beiden Mönche hatten damit die päpstliche Autorität auf ihrer Seite und jeder Widerstand gegen die Handhabung der inquisitorischen Praxis konnte selbst als Ketzerei angeklagt werden.
Mit dieser Autorität im Rücken machten sich Sprenger und Institoris an die Abfassung eines Werkes, das ein Markstein auf dem Wege zu den Hexenprozessen werden sollte.
In allen Teilen der Welt wird heute leider noch gefoltert.
Hier können Sie einen traurigen und grausamen Bericht über die
Folterung einer Frau nachlesen.