Der Titel "Malleus Maleficarum", heißt der Unholdinnen-Hammer
- das Wort Hexe gab es noch nicht. Zum besseren Verständnis benutzen wir aber ab jetzt den Sammelbegriff
Hexe. Die Angeklagten sollten im wahrsten Sinne des Wortes zerschmettert werden. Damit nun dieses Werk auch bei Laien und Geistlichen genügend Anerkennung erhalten sollte, wurden jeder gedruckten Auflage die päpstliche
"Bulle" als Geleitwort vorangestellt. Außerdem stand ein gefälschtes Gutachten der Universität Köln, der damaligen Prüfbehörde für
Schrifttum, am Anfang jedes "Hammers".
Neben einer genauen Auflistung der Verbrechen der Hexen, die wir zum Teil schon aus den Ketzerprozessen kennen, zum Teil aber aus neuen Vorwürfen bestehen (Weghexen männlicher Potenz), waren das Besondere die Anweisungen für das Abhalten von Hexenprozessen.
Das Hexenmal galt als Erkennungsmerkmal der Hexe
Um Hexenprozesse vollziehen zu können mussten bestimmte
Angaben gemacht werden. Dazu gehörten Angaben über die Erkennung von Hexen am
sogenanntem Hexenmal, über die Anhörung von ausschließlich Belastungszeugen, über Verteidigerausschluss.
Die Folter als Mittel zur Wahrheitsfindung wurde für Hexen verordnet, auch für solche, die bereits beim Anblick der Foltergeräte
"geständig" waren, d.h. alle vorgelesenen "Vorwürfe" sofort bejahten.
Denn man wollte nicht nur das
"Geständnis" der angeblichen "Hexe", sondern auch weitere Namen von
"Komplizen". Folter, so die Meinung der Inquisitoren, konnte nie schaden. Starb einmal eine
"Hexe" unter der Folter, so war es natürlich der Teufel gewesen, der sein
"Liebchen" umgebracht hatte.
Auffällig ist, dass die Verfasser der weltlichen Gewalt, d.h. den örtlichen Gerichten, sehr viel Verantwortung in der Prozessführung übertrugen. Sie begründeten dies damit, dass Hexerei kein rein kirchliches Verbrechen sei wie etwa die Ketzerei. Vielmehr sei sie ein sog.
"crimen mixtum", d.h. ein gemischtes Verbrechen.
Ein weltliches, weil Hexen Schaden an öffentlichem und privatem Eigentum anrichten, und ein kirchliches Verbrechen, weil sie Gott lästerten und dem Teufel huldigten.
Durch diesen Schachzug war ein Teil der Verantwortung und der Ausführung an die weltliche Macht abgegeben.
Die Geistlichen schürten den Glauben an die Hexen als die neuen Feinde der Menschheit in ihren Predigten kräftig weiter, so dass der Glaube an böse Geister, Dämonen und Hexen Bestandteil des Lebens wurde.
Immer mehr Menschen, besonders Frauen, sollten zum Opfer dieser Vorstellungen werden.
Anne Heinrichs, zu
Amsterdam verbrennt Anno 1571 (Jan Lyken, 1685)
Der Hexenhammer sorgte für Zuspitzung
Es wird zum ersten Mal behauptet, das weibliche Geschlecht sei besonders anfällig für das neue Verbrechen der Hexerei. Ketzer - das waren Männer und Frauen gewesen. Hexen aber, das waren Frauen, die einen Pakt mit dem Teufel geschlossen hatten, nur weil sie ihren Mitmenschen Böses antun wollten.
Wieso aber sollten Frauen anfälliger dafür sein? Die Verfasser meinten, das sich dies bereits bei Evas Ungehorsam gegen Gott im Paradies gezeigt habe. Das beweise auch das lateinische Wort
"femina" für "Frau": "fe" käme von "fides", d.h. Glauben und "mina" von "minus", d.h. weniger. Die Frau wäre also die, die weniger als der Mann am Glauben festhielte, dadurch würde sie dem Teufel schneller erlegen sein und würde so leicht eine Hexe.
Die Wirkung des Hexenhammers
Die Hexenprozesse erreichten ihren Höhepunkt im 16. und 17. Jh. Der Hexenhammer war der Anfang einer Anschauung gewesen, die die Frau als Übel in der Welt darstellte und sie zur Hexe machte. Seitdem lag es nahe, zuerst Frauen als Hexen anzuklagen.
Im Gegensatz zu den Ketzern, die bei offensichtlicher Reue eine winzige Chance hatten, dem Scheiterhaufen zu entgehen, hatten diese Frauen bei besonderer
"Geständigkeit" nur die große Gnade zu erwarten, dass man sie vor dem Feuertod erdrosselte.
Scheiterhaufen und Humanismus
In den Geschichtsbüchern wird die Zeit um 1550 bis 1750 gern mit Worten wie
"Aufblühen der Vernunft" oder "Zeitalter des
Humanismus" gekennzeichnet. Etwa zur selben Zeit fanden die Hexenverbrennungen ihren Höhepunkt. Wieso lesen wir in den Büchern nichts über diesen Widerspruch?
Die Verbrennungen fanden nicht im
"tiefsten Mittelalter" statt, sondern am Beginn der sog.
"Neuzeit". Gerade in dieser Übergangszeit, in der sich die mittelalterliche Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung veränderte und Handel und Geldgeschäfte an Bedeutung zunahmen, rauchten vielerorts die Scheiterhaufen. Es ist eine Welt, in der die Menschen beginnen, ihren Planeten zu erforschen, in der man sich von der theologisch verbrämten Wissenschaft zu lösen beginnt, in der sich die Menschen zunehmend von der Kirche entfernen.
Die Kirche, die am stärksten an der mittelalterlichen Ordnung festhält, hat am meisten beim Übergang zu einer neuen Zeit zu fürchten. Ihr Grundbesitz, der fast
eindrittel des gesamten Bodens ausmacht, ist zwar noch viel wert, aber der Handel in den Städten beginnt wichtiger zu werden als die reine Produktion und der eigene Verbrauch landwirtschaftlicher Erzeugnisse. Dazu kommt eine immer stärkere Stadtflucht von Bauern und Hörigen, die Zinsen und Steuern an ihre Herren nicht mehr zahlen können.
Sie alle zieht es in die Stadt, wo sie nach Jahr und Tag die Chance haben, frei von Leibeigenschaft zu sein. Doch diese Hoffnung erfüllt sich nicht für viele, da sie dazu das Bürgerrecht haben müssten, das an den Erwerb einer Wohnstelle gebunden ist. So bilden diese Flüchtigen die
große Zahl derer, die bettelnd durch die Straßen der Stadt ziehen, die Tagelöhnerarbeit verrichten - und die auf eine neue Welt in der Zukunft hoffen.