Der Hexenhammer sorgte für Zuspitzung
Es wird zum ersten Mal behauptet, das weibliche Geschlecht sei besonders anfällig für das neue Verbrechen der Hexerei. Ketzer - das waren Männer und Frauen gewesen. Hexen aber, das waren Frauen, die einen Pakt mit dem Teufel geschlossen hatten, nur weil sie ihren Mitmenschen Böses antun wollten.
Wieso aber sollten Frauen anfälliger dafür sein? Die Verfasser meinten, das sich dies bereits bei Evas Ungehorsam gegen Gott im Paradies gezeigt habe. Das beweise auch das lateinische Wort
'femina' für 'Frau': 'fe' käme von 'fides', d.h. Glauben und 'mina' von 'minus', d.h. weniger. Die Frau wäre also die, die weniger als der Mann am Glauben festhielte, dadurch würde sie dem Teufel schneller erlegen sein und würde so leicht eine Hexe.
Die Wirkung des Hexenhammers
Die Hexenprozesse erreichten ihren Höhepunkt im 16. und 17. Jh. Der Hexenhammer war der Anfang einer Anschauung gewesen, die die Frau als Übel in der Welt darstellte und sie zur Hexe machte. Seitdem lag es nahe, zuerst Frauen als Hexen anzuklagen.
Im Gegensatz zu den Ketzern, die bei offensichtlicher Reue eine winzige Chance hatten, dem Scheiterhaufen zu entgehen, hatten diese Frauen bei besonderer
"Geständigkeit" nur die große Gnade zu erwarten, dass man sie vor dem Feuertod erdrosselte.
Scheiterhaufen und Humanismus
In den Geschichtsbüchern wird die Zeit um 1550 bis 1750 gern mit Worten wie
"Aufblühen der Vernunft" oder "Zeitalter des
Humanismus" gekennzeichnet. Etwa zur selben Zeit fanden die Hexenverbrennungen ihren Höhepunkt. Wieso lesen wir in den Büchern nichts über diesen Widerspruch? Die Verbrennungen fanden nicht im
"tiefsten Mittelalter" statt, sondern am Beginn der sog.
"Neuzeit". Gerade in dieser Übergangszeit, in der sich die mittelalterliche Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung veränderte und Handel und Geldgeschäfte an Bedeutung zunahmen, rauchten vielerorts die Scheiterhaufen. Es ist eine Welt, in der die Menschen beginnen, ihren Planeten zu erforschen, in der man sich von der theologisch verbrämten Wissenschaft zu lösen beginnt, in der sich die Menschen zunehmend von der Kirche entfernen.
Die Kirche, die am stärksten an der mittelalterlichen Ordnung festhält, hat am meisten beim Übergang zu einer neuen Zeit zu fürchten. Ihr Grundbesitz, der fast
eindrittel des gesamten Bodens ausmacht, ist zwar noch viel wert, aber der Handel in den Städten beginnt wichtiger zu werden als die reine Produktion und der eigene Verbrauch landwirtschaftlicher Erzeugnisse. Dazu kommt eine immer stärkere Stadtflucht von Bauern und Hörigen, die Zinsen und Steuern an ihre Herren nicht mehr zahlen können. Sie alle zieht es in die Stadt, wo sie nach Jahr und Tag die Chance haben, frei von Leibeigenschaft zu sein. Doch diese Hoffnung erfüllt sich nicht für viele, da sie dazu das Bürgerrecht haben müssten, das an den Erwerb einer Wohnstelle gebunden ist. So bilden diese Flüchtigen die
große Zahl derer, die bettelnd durch die Straßen der Stadt ziehen, die Tagelöhnerarbeit verrichten - und die auf eine neue Welt in der Zukunft hoffen.
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