Exorzisten sollen den Satan austreiben, der Sektierer Jones wurde ein
"Satan" genannt, die Hexen sollen Satansanbeter gewesen sein
und die "Satanisten" sind es wirklich. Angesichts dieses Durcheinanders ist es nötig, die Ideen über den
Satan als Einführung zu diesem Teil noch einmal zu ordnen.
Quelle der Verwirrung ist der Begriff des "Satans" im Lehrgebäude
der christlichen Kirchen. Ihnen war alles "satanisch", was außerhalb
ihrer eigenen Religion verehrt wurde. Satan ist der "abgefallene
Engel", der Gegenspieler Gottes.
Fruchtbarkeitskulte und z.B. Zaubermedizin des Mittelalters wurden von den
christlichen Lehrern als Ergebnis des Paktes mit dem Teufel angesehen.
Aus dieser Zeit stammt noch der katholische Exorzismus: Der Exorzist
glaubt, dass Menschen vom Teufel "besessen" sind und versucht, diesen
dämonischen Einfluss zu vertreiben.
Der Besessene gilt heute noch in der katholischen Kirche als ein unfreiwilliges Opfer des Teufels.
Im Gegensatz dazu gingen die Hexen in der Vorstellung der evangelischen und katholischen Inquisitoren den Teufelspakt freiwillig, aus reiner Bosheit oder Dummheit ein. Hexen wollte man deshalb zur Zeit der Hexenverfolgungen strafen.
Bild rechts: Altar für die schwarze Messe, Buchumschlag, Paris
1929
Eine frühchristliche Sekte bei der Anbetung des Teufels in Form einer Schlange, spätantike Alabasterschale.
Besessene will man auch heute noch heilen. Im Verhältnis zur Idee des Teufelspaktes zieht die Idee der Besessenheit also noch relativ "humane" Maßnahnahmen nach sich.
Unter Einhaltung bestimmter Vorsichtsmaßnahmen (z.B. regelmäßiger Besuch eines neutralen Arztes), welche übrigens bei dem berüchtigten Klingenberger Exorzismus 1976
nicht eingehalten worden waren, ist es dem katholischen Priester erlaubt, den Exorzismus vorzunehmen.
Nachdem mit der Idee des Teufelspaktes viele Männer und Frauen verfolgt wurden, hat es auch immer wieder Menschen gegeben, welche solch einen Pakt tatsächlich, z.B. aus Wissensdurst oder weil sie Geld vom Teufel erhalten wollten, eingehen wollten. Sie gaben sich als Anhänger des Teufels, wie es sich die Inquisitoren ausgemalt hatten.
Satan wird in schwarzen Messen verehrt, Christus wird beschimpft.
Diese wirklichen Satanisten sind im Grunde Anhänger der
christlichen Religion, sie haben nur deren Werte völlig
verändert: Es gibt sicher sehr viele verschiedene Gründe für
diese eigenartige "Bekehrung". Bei den heutigen
Satanisten fällt auf, dass sie gerne behaupten, An hänger der
"wahren, alten" vorchristlichen Religion zu sein, welche
vom Christentum fast vernichtet wurde.
In den meisten Fällen hat sich aber herausgestellt, dass die Satanisten Anhänger ganz neuer Kulte sind, welche meist von Gebildeten nach der Lektüre von Schriften der Inquisitionszeit geformt wurden.
Oft erscheint der Satanismus so als eine Suche nach der "verlorenen Zeit" des "Heidentums". Auf jeden Fall haftet den Kulten für ihre heutigen Mitglieder bestimmt der Reiz des Verbotenen und
zugleich des Uralt-Geheimnisvollen an.
Die Frau als Kultobjekt auf dem satanistischen Altar in Gerald Gardners Hexenmuseum.
Dann spielt sicher Unzufriedenheit mit der christlichen Religion eine Rolle. Die wichtige Rolle sexueller Darstellungen bei "schwarzen Messen" kann man wohl als Protest gegen die christliche Haltung zur Sexualität verstehen.
Ähnliches lässt uns vielleicht auch den christlichen Sektenprediger Jones als verführenden
und gefährlichen Satan erleben: "Satan" ist Jahrhunderte nach Ende der Inquisition und auch für Menschen, die mit dem Christentum nicht mehr viel zu tun haben ein Inbegriff für das "Böse", das Verdrängte und geheimnisvoll Gewordene.
Im Christentum, wurde der Name Lucifer dem Teufel oder Satan
übertragen. In Tradition der Apokalypse und einiger apokrypher Schriften ist Luzifer der gefallene Engel, jener Lichtträger, der die Macht Gottes
herausfordert.
Jesaias bezeichnet Luzifer als den besiegten König Babylons.
Lucifer stammt aus dem lateinischen und bedeutet Lichträger oder
Lichtbringer - der Erleuchter, der dem Menschen die Wahrheit und die
Erkenntnis bringt.
Eine der größten internationalen satanischen
Organisation, die "Churc of Satan" praktiziert den Satanismus wie er 1969 durch LaVeys
?Satanic Bible? manifestiert wurde. Diese Glaubensgemeinschaft wurde
in den 60ger Jahren in San Fransisco gegründet und gilt als staatlich
anerkannte Kirche von Amerika. Die "Church of Satan" setzt
sich aus zwei Hohepriester, jeweils ein Mann und eine Frau, und dem
Entscheidungsgremium "Council of Nine" zusammen.
Die mächtige Gestalt Satans taucht in Märchenbüchern (z.B. Litauer
Märchen: "Ein Weib ist schlimmer als ein Teufel" oder
"Der Teufel mit den drei goldenen Haaren" aus Grimms Märchen)
und auch in Trickfilmen und Comiczeitschriften auf, wie z.B. Mr.
Satan, der stärkste Mensch der Welt in der TV-Serie "Dragonball",
die bei den Kinder schon sehr beliebt zu sein scheint.