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Es gibt immer wieder Menschen, die sich bei diesen Kampf
gegen das "Böse" für besonders fähig halten:
Teufelsaustreiber wollen von bösen Geistern befallen heilen, Hexenbanner
sollen den Einfluss schädigender Frauen beseitigen.
Im Gegensatz zu der meist weiblichen "Ortshexe"
in Norddeutschland sind es fast immer Männer, die sich zum
"Hexenbanner" berufen fühlen.
Tischlermeister Herrmann, fühlte sich in den 50er Jahren
dazu berufen, Hexen zu bannen. Er war auf diese Beschuldigung gekommen,
als er wegen der Krankheit eines Kindes von den Nachbarn um Rat gefragt
worden war.
Seine ersten Fälle hatte er noch im eigenen Dorf. Er sagt
z.B. der Frau eines Schneidermeisters nach, die Krankheit eines
Nachbarkindes verschuldet zu haben, indem sie ein Wollknäuel mit Nadeln
durchstach.
Er hatte bei ihnen die Wohnung ausgeräuchert und dann
gesagt: Schaut jetzt nach, wer als erster am Haus vorbeigeht, das ist die
Hexe. Und als erste kam zufälligerweise die Frau des Schneidermeisters.
Zur Zeit der Flurbereinigung und des Beitritts zur EWG in
den 50er Jahren hatten sehr viele Bauern Unglück. Dementsprechend nahm
auch der Hexenglaube zu. Herrmann begann in ganz Norddeutschland mit seine
Amuletten zu handeln und Hexen auszutreiben.
Er verkaufte auch "Himmelsbriefe", die angeblich
vom Himmel fallen und von Gott persönlich geschickte Beschwörungen gegen
Hexerei und Magie enthalten. Abwehrmittel wie die "ägyptische Eidechse"
und den "Teufelsdreck" bezog er aus Apotheken.
Für Hermann hatte der zunehmend Hexenglaube gute Folgen.
Er konnte nun vom Hexenbannen leben, wenn auch nicht viel besser als in
der Zeit, in der er noch Tischlermeister gewesen war. Und er war jetzt ein
bekannter "Wunderheiler", zu dem die Menschen wegen aller
möglichen Sorgen und Krankheiten kamen. Manchmal verglich er sich mit
Jesus.
Für die von ihm verleumdeten Frauen waren die Folgen
mitunter sehr schlimm. Frauen wurden von ihrer Familie verlassen, im Dorf
gemieden, gewaltsam angegriffen.
Schließlich wurde es einigen Angehörigen verfolgter
Frauen zu bunt. Der Sohn der Schneidermeisterin und viel andere verklagte
Herrmann wegen Verleumdung und Ausübung des Heilberufes ohne
Erlaubnis. Der Prozess machte großes Aufsehen. Die starke
Verbreitung des Hexenglaubens in Norddeutschland wurde zum Gegenstand der öffentlichen Aufmerksamkeit.
Der Gerichtsaal reichte nicht für das Publikum, er wurde
gestürmt und dann von der Polizei geräumt. Das Publikum bestand in
erster Linie aus gläubigen Anhängern des Hexenbanners, die den Prozess
als einen Angriff auf ihre angestammte Lebensweise auffassten.
"Hexenbanner benutzen in verbrecherischer
Weise die Not und Unwissenheit der Abergläubigen aus, verdächtigen
schutz- und wehrlose Frauen der Hexerei und säen Hass und Zwietracht in
der Bevölkerung."
Johann Kruse
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